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Grüne Antwort auf den Offenen Brief der pbg

(09.02.2009)

Sehr geehrter Frau Schuster, sehr geehrter Herr Zellmann,

 

der Inhalt Ihres Schreibens vom 05. Februar 2009 erweckt bei uns den Eindruck, dass Ihnen wichtige Informationen über das Verfahren zur Ansiedlung Flüchtlingswohnheims im ehemaligen Lehrlingswohnheim fehlen.

 

Wir wundern uns, wie Sie zu der Erkenntnis kommen, durch die Ansiedlung des Wohnheims könne das „zarte Pflänzchen" einer positiven Entwicklung im Stadtteil zertreten werden. Ihre Argumentation legt nahe, dass in Ihren Augen die Ansiedlung eines Flüchtlingswohnheims eine negative Entwicklung eines Stadtteils zwangsläufig nach sich zieht. Wir fragen uns, auf welcher Grundlage Sie zu solchen Schlüssen kommen.

 

Sie unterstellen in Ihrem Schreiben, dass mit der Ansiedlung eines Flüchtlingswohnheimes, der Schlaatz nicht mehr als „gutes Wohnumfeld" anzusehen sei. Wir halten eine solche Argumentation für nicht haltbar. Sie würdigen damit die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims in übler Weise herab. Die Flüchtlinge haben zum großen Teil schwere traumatische Erlebnisse hinter sich, wurden zum Teil in ihrer Heimat verfolgt und viele haben es nur unter Lebensgefahr bis nach Deutschland geschafft. Sie verfügen über geringe Mittel und sind sozial sehr schwach, weil sie in Deutschland deutlich geringere Transferleistungen als etwa ALG II-Empfänger erhalten. Aber es sind genauso Menschen wie andere Bewohner des Stadtteils. Wir empfinden Ihre Argumentation als menschenverachtend.

 

Auch dem Träger des Heimes, dem Diakonischen Werk, unterstellen Sie damit eine schlechte Arbeit zu leisten, die Sie eigentlich noch gar nicht beurteilen können. Auf welche objektive Datengrundlage beziehen Sie sich bei solchen Aussagen? Uns erschließt sich nicht, warum auf Grund der Ansiedlung dieser städtischen Einrichtung unter der Trägerschaft des leistungsfähigen und in der Potsdamer Integrationsarbeit erfahrenen Wohlfahrtsverbandes der Diakonie Ihre Projektideen für altersgerechtes Wohnen am Schlaatz nicht mehr umsetzbar sein sollen? Was befürchten Sie?

Sollte es Kriminalität sein, dann können wir Sie beruhigen. Die Flüchtlinge würden durch kriminelle Handlungen ihren Aufenthaltsstatus in Deutschland massiv gefährden. Insofern wird Gesetzestreue in ihrem ureigensten Interesse liegen. Das Flüchtlingswohnheim im Lerchensteig war bisher auch nicht als Kriminalitätsschwerpunkt bekannt.

 

Das Integrationskonzept sieht vor, das jetzige Flüchtlingswohnheim Lerchensteig zugunsten integrationspolitisch sinnvollerer Lösungen aufzugeben. Es ist richtig, dass die Unterbringung in Wohnungen nicht nur vom Konzept, sondern insbesondere auch von uns immer wieder als bessere Maßnahme zur Integration gefordert wird. Allerdings schreibt der Gesetzgeber die Vorhaltung eines Flüchtlingswohnheimes zwingend vor, da den Städten und Gemeinden immer wieder kurzfristig Flüchtlinge zugewiesen werden. Stark traumatisierte Flüchtlinge können häufig nicht ohne weiteres ohne Betreuung in Wohnungen untergebracht werden. Nach unseren Informationen arbeitet die Stadt an einem Gesamtkonzept für den Schlaatz.

 

Wir würden uns freuen, wenn Sie mit Ihrer Standortkenntnis und Ihren Erfahrungen zu einer positiven Entwicklung des Stadtteils beitragen würden.

 

Mit grünen Grüßen

 

Nils Naber

Fraktionsvorsitzender

 

Marie Luise von Halem

stellv. Fraktionsvorsitzende

Foto zur Meldung: Grüne Antwort auf den Offenen Brief der pbg
Foto: Grüne Antwort auf den Offenen Brief der pbg