Deserteurs-Denkmal

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Das Denkmal wurde am 2. Oktober 1990 in Zusammenarbeit mit den Freundeskreis Militärdiensttotalverweigerer in Potsdam errichtet. In den vier Marmorblöcken, die insgesamt zwölf Tonnen schwer sind, wurde das Negativ eines Mannes dargestellt. Das Fehlen dieser Person thematisiert die Angst vor den Tod. Es würdigt die 22.000 Soldaten die sich während des Nationalsozialismus von der Armee absetzten und deswegen zum Tode verurteilt wurden. Sein eigentlicher Standort war der Bonner Friedensplatz, doch wurde dort die Aufstellung nicht genemigt und so wurde das Denkmal 1990 nach Potsdam umplatziert. Bei der Einweihung waren ca. 1200 Befürworter der Deseurteure anwesend. Aber auch viele Gegner, die die Deserteure als Vaterlandsverräter, Feiglinge oder Kameradenschweine beschimpften. Die Kosten für dieses Denkmal wurden im wesentlichen durch Spenden aufgebracht. Geplant wurde erstmal ein sechsmonatiger Aufenthalt, doch zögerten sich die Diskusionen bis zum Beschluss, das Denkmal in Potsdam stehen zu lassen, heraus. Im Laufe der Zeit gab es Verschmutzungen und andere Sachbeschädigungen am Denkmal. Die Stadt Potsdam verpflichtete sich zur Instandhaltung des Denkmals und muss für die Reperaturkosten aufkommen.

Am Platz der Einheit/ Am Kanal
14467 Potsdam

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Aktuelle Meldungen

Ja zum Deserteurdenkmal

(21.02.2011)

Auf Einladung der Stadtfraktion und von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN haben am Donnerstag, den 17. Februar 2011 im Beisein von Thora Wallbaum-Aksoy, als Vertreterin des Künstlers Mehmet Aksoy, die Vertreterinnen und Vertreter der Opferverbände des Naziregimes, der Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär, des Vereins zur Förderung antimilitaristischer Traditionen und des Kreisvorstands von BÜNDNIS 90/DIE Grünen Potsdam einen Konsens erarbeitet. Es wurde deutlich, dass die hohe Wertschätzung des Denkmals des unbekannten Deserteurs von allen geteilt wird.

 

Es handelt sich um ein Denkmal und politisches Kunstwerk. Von den Opferverbänden wird es als Mahnmal gesehen. Es stellt einen wichtigen Kontrapunkt zur militaristischen Tradition der Stadt Potsdam dar.

Einigkeit bestand auch darin, dass das Denkmal nicht der öffentlichen Wahrnehmung entzogen werden soll und dass über Maßnahmen zu seiner langfristigen Erhaltung nachgedacht werden soll.

 

Als Ergebnis der mehrstündigen konstruktiven Diskussion wird die Stadtverwaltung unter Federführung des Kulturamtes einen Prozess zum Erhalt und zur Sicherung des Denkmals einleiten. Alle folgten dem Vorschlag der Verwaltung, die noch ausstehende Mitteilungsvorlage dazu zu nutzen, alle Varianten zu prüfen, die eine ständige öffentliche Präsentation des Denkmals ermöglichen.

 

Die daraus jeweils folgenden finanziellen, gestalterischen und konservierungsfachlichen Konsequenzen sollen in einer „Kosten-Nutzen-Analyse“ ergebnisoffen dargestellt werden. Die Varianten sollen vom Verzicht auf Erhaltungsmaßnahmen bis hin zu einem Pavillon mit zusätzlichen Informationen und Beleuchtung  reichen.

Einigkeit bestand darüber, dass ein  Sockel sowie eine zusätzliche Beschilderung und eigene Beleuchtung für das Denkmal unabhängig von den zu prüfenden Präsentationsvarianten wünschenswert sind. Eine Wiedereinhausung in diesem Winter soll nicht mehr erfolgen. Im Juni soll ein Workshop möglichst im Beisein des Künstlers stattfinden.

 

Frau Wallbaum-Alsoy begrüßte das Ergebnis des Gespräches als im Sinne des Künstlers stehend, der die angemessene Präsentation, öffentliche Wahrnehmbarkeit und langfristige Erhaltung für sein Werk wünscht. In der Art der Erhaltungsmaßnahmen ist er für fachlichen Rat offen.

 

Sicher ist schon heute, dass alle eingebundenen Gruppen und Personen sich weiter einbringen werden und im Frühsommer erste Zwischenergebnisse gemeinsam diskutiert werden sollen.

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STANDPUNKT: Das Denkmal des unbekannten Deserteurs – Mahnmal und Kunstwerk

(08.02.2011)

Das Denkmal des unbekannten Deserteurs des 1939 geborenen Bildhauers Mehmet Aksoy steht als Leihgabe des Bonner Vereins zur Förderung der Friedensarbeit auf dem Platz der Einheit in Potsdam. Es wurde am 2.September 1990 unter den Klängen der Lieder von Wolf Biermann enthüllt. Als Kulturstadträtin habe ich damals auf Anregung der Kampagne gegen Zwangsdienste und Militär einen Stadtverordnetenbeschluss initiiert. Im September 1997 wurde die dauerhafte Aufstellung in Potsdam beschlossen. Das Denkmal war Ort von Demonstrationen gegen den Krieg und hat zu manchen wichtigen Debatten beigetragen. Bündnis 90/Die Grünen haben 2003 die erste professionelle Reinigung durch Spenden ermöglicht. Nun geht es darum, das Denkmal von Mitte November bis Ende März vor der Witterung zu schützen.

 

Der Grund für die lebhafte Debatte liegt in der Ambivalenz der Skulptur als politischem Mahnmal und als Kunstwerk. Aksoy erläutert diese Ambivalenz, wenn er im Rahmen der aktuellen Debatte um sein großes gefährdetes Monument in der türkischen Stadt Kars sagt: „Ich mache keine Agitprop-Kunst ... sie ist Ausdruck humanen Denkens.“ Die Negativform des quasi nicht mehr anwesenden Menschen, der sich einer von ihm als unmenschlich erkannten Verpflichtung entzogen hat, erinnert an die Deserteure, die dies im 2. Weltkrieg unter Lebensgefahr getan haben oder dafür gestorben sind. Und sie fordert uns auf, eigenverantwortlich im Sinne der Menschlichkeit zu handeln. Dass uns dies hier tiefer als jede politische Argumentation erreicht, verdanken wir dem Kunstwerk, seiner überzeugenden Gesamtkomposition und bildhauerischen Formqualität. Gerade diese Eigenschaften sind es, die erst komplexere Denkansätze provozieren, gerade diese würden durch die Verwitterung nach und nach verschwinden.

 

Mehmet Aksoy ist einer der wichtigsten lebenden türkischen Künstler, der mit seinen Kunstwerken mutig kontroverse Fragestellungen unserer Zeit anspricht. Potsdam kann sich glücklich schätzen, ein solches Werk zu beherbergen. Die Leihgeber in Bonn haben Verständnis für die Einhausung, meinen aber angesichts der Streitigkeiten, das solle in Potsdam geklärt werden. Für sie war vor allem die Meinung des Bildhauers wichtig, die wir eingeholt haben: Mehmet Aksoy ist froh darüber, dass Potsdam sein Werk hochschätzt, und er unterstützt die Wintereinhausung.

 

Aus all diesen Gründen leiten wir eine Verpflichtung für die Stadt ab, für seine Erhaltung zu sorgen, Spenden sind willkommen. Mit welchen Maßnahmen man dem politischen Anliegen Rechnung tragen kann, das Denkmal auch während wichtiger Daten im Winter vor Augen zu haben, werden wir beraten. Die Erinnerungen und die Fragen, die dieses Denkmal aufwirft, werden auch in fernerer Zukunft, ganz gleich wie diese aussieht, wichtige Lebensfragen sein. Deshalb wollen wir gerade in dieser Stadt, in der so viele historische Werke bewahrt werden, ein bedeutendes Bildwerk unserer Zeit auch für kommende Generationen erhalten.

 

Saskia Hüneke

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Grüne zum Denkmal des unbekannten Deserteurs

(03.02.2011)

Der Schöpfer vom Denkmal des unbekannten Deserteurs, Mehmet Aksoy, begrüßt die Bemühungen um den Erhalt des Denkmals in Potsdam. Saskia Hüneke: "Er ist damit einverstanden, dass es in den Wintermonaten eingehaust und so geschützt wird. Dies hat er mir im Telefonat am Dienstag gesagt." Zur selben Zeit hat der Stadtrat der vor der Grenze zu Armenien gelegenen Stadt Kars den Abriss seines monumentalen Denkmals der Humanität und Versöhnung beschlossen. Jetzt kämpft er gegen die Zerstörung seines Werkes dort und ist deshalb doppelt froh, dass seine Werke an anderen Orten wirkliche Wertschätzung erfahren. Aus der Potsdamer Erfahrung können wir vermitteln: „Die Diskussionen, die die Werke von Aksoy auslösen, mögen manchen zuerst unbequem erscheinen, aber sie sind für die Gesellschaft produktiv. Wir hoffen, dass man das rechtzeitig auch in Kars so empfinden und die Entscheidung überdenken wird“, so Hüneke weiter. Auf bundespolitischer Ebene haben sich Claudia Roth und Cem Özdemir an den türkischen Kulturminister mit der Aufforderung gewandt, sich für die Freiheit der Kunst, Versöhnung mit den Nachbarn und eine demokratische Gedenkkultur einzusetzen.

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Wie das Deserteurdenkmal nach Potsdam kam und warum es im Winter eingehaust werden sollte

(25.01.2011)

Das Deserteurdenkmal des 1939 geborenen Bildhauers Mehmet Aksoy steht als Leihgabe des Bonner Vereins zur Förderung der Friedensarbeit auf dem Platz der Einheit in Potsdam. Es wurde am 2.September 1990 unter den Klängen der Lieder von Wolff Biermann enthüllt. Als Kulturstadträtin habe ich damals auf Anregung der Kampagne gegen Zwangsdienste und Militär einen Stadtverordnetenbeschluss initiiert. In den vergangenen Jahren war das Denkmal Ort von Demonstrationen gegen den Krieg und hat zu manchen wichtigen Debatten beigetragen. Bündnis 90/Die Grünen haben 2008 die erste professionelle Reinigung durch Spenden ermöglicht. Nun geht es darum, dass das Denkmal von Mitte November bis Ende März vor der Witterung zu schützen.

 

Das Denkmal ist eine ausdrucksstarke Marmorskulptur, die auf besonders intensive Weise zur Erinnerung an das Schicksal der Deserteure des 2.

Weltkrieges und ebenso zum Nachdenken über die Frage eigenen verantwortlichen Handelns anregt. Uns ist es ein Anliegen, dass das Denkmal seine Ausdruckskraft auch weiterhin bewahren kann.

 

Mamorbildwerke verwittern in den Winterfrösten nördlich der Alpen wesentlich schneller als im sonnigen Italien, unabhängig davon, ob sie ein historisches Kunstwerk oder ein politisches Denkmal darstellen. Im Winter gefriert das in den Poren des Steins sitzende Wasser, dehnt sich aus und sprengt so die Oberfläche auf, so dass dann mehr Wasser eindringt und beim nächsten Frost weitere Schäden entstehen. Der Verfall steigert sich progressiv. Wenige Jahrzehnte genügen, um einen irreparablen Verlust an der relativ weichen Oberfläche des Carrara-Marmors zu erzeugen. Die gestalterische Qualität des Denkmals wird verschwinden und das inhaltliche Anliegen eines Tages nicht mehr ablesbar sein. Aus unserer Sicht steht Potsdam in der Verantwortung, diese Entwicklung zu verlangsamen, ähnlich, wie es beispielsweise bei den Denkmälern der Brüder Humboldt in Berlin Mitte, die zu den wichtigsten programmatischen Denkmälern des Humanismus gehören, gehandhabt wird. Die Skulptur mit einer Schutzfarbe zu versehen oder eine Plexiglashaube zu verwenden, wie im Kulturausschuss vorgeschlagen, sind aus restaurierungsfachlicher Sicht ungeeignete Mittel, die ebenfalls zu Schäden führen. Durch Klimauntersuchungen wurde nachgewiesen, dass einfache Holzhäuschen den wirkungsvollsten Schutz bieten.

 

Da der 9. November ein wichtiger Gedenktag ist, soll das Denkmal erst danach eingehaust werden, obwohl das klimatisch betrachtet etwas zu spät ist. Das Denkmal soll dann bis März verhüllt bleiben, also dreieinhalb von 12 Monaten im Jahr, die zudem zur dunklen Jahreszeit gehören, an denen das Denkmal nur wenige Stunden am Tag sichtbar wäre. Dieser jährliche Verlust wird durch die langfristige Erhaltung mehr als wettgemacht, auch kann das Denkmal wie beim letzten Kulturausschuss von der Verwaltung zugesagt, bei besonderen Gelegenheiten wie dem bevorstehenden Tag der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar kurzfristig enthüllt werden. Lutz Boede kämpft gegen Windmühlen, wenn er androht, das Denkmal selbst auspacken zu wollen. Es gibt weitere Vorschläge: Man könnte hier außerdem für die drei Monate ein Großfoto anbringen: wer damit auch leben könnte, eines Tages, wenn das Denkmal verwittert ist, überhaupt nur noch das Foto zu haben, müsste auch jetzt damit leben können, wenn dies zeitweise an die Stelle der Skulptur tritt. Darüber hinaus regen wir an, dass das Aushausen in jedem Frühjahr Anlass für einen besonderen Moment des Nachdenkens sein kann. Unsere Bemühungen um das Denkmal sind vom Verein für Friedensarbeit in Bonn wohlwollend aufgenommen worden, gerne würden wir auch Mehmet Aksoy in die Frage einbeziehen. Wir hoffen, dass auch die Opferverbände sehen, dass unsere Bemühungen darauf gerichtet sind, die Möglichkeit des Gedenkens nicht nur für heute, sondern morgen und darüber hinaus an diesem Ort zu erhalten.

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